Der stille Zeitfresser in der Konstruktion
In der industriellen Elektrokonstruktion ist die manuelle Datenübertragung aus 2D-CAD-Zeichnungen in Excel-Listen weit mehr als nur ein administratives Ärgernis – sie ist ein strategisches Risiko für die Prozesszuverlässigkeit. Hochqualifizierte Elektroplaner verbringen signifikante Anteile ihrer Arbeitszeit damit, Betriebsmittelkennzeichen (BMK) händisch zu erfassen, zu prüfen und mühsam zu formatieren.
Diese Praxis verschwendet nicht nur wertvolle Ingenieursressourcen, sondern untergräbt die gesamte Datenintegrität. Besonders bei komplexen Anlagen führen manuelle Übertragungsfehler unweigerlich zu Verzögerungen in nachgelagerten Prozessen. Als Strategen für die industrielle Digitalisierung müssen wir uns fragen: Warum akzeptieren wir in Zeiten von Industrie 4.0 noch immer manuelle Formatierungsarbeiten, die eine spezialisierte Software präziser, schneller und reproduzierbar erledigen kann?
Takeaway 1: Die Abkehr vom „Manuellen Layer-Picking“
Bisher beruhte die Extraktion von BMK-Daten auf einem unsystematischen Prozess, den wir als „manuelles Layer-Picking“ bezeichnen. Planer mussten verschiedene Layer einer 2D-CAD-Zeichnung manuell durchsuchen, Symbole selektieren und die Informationen in Excel-Listen überführen. Oftmals wurden unzuverlässige Insellösungen wie rudimentäre PowerShell-Skripte oder unkoordinierte CSV-Exporte genutzt, die jedoch keine konsistente Datenbasis schufen.
Diese fragmentierte Herangehensweise ist bei steigender Projektkomplexität nicht mehr tragbar, da sie die Fehleranfälligkeit der gesamten Projekthierarchie potenziert.
„Die Aufbereitung aus dem CAD Layout durch Selektieren der benötigten Symbole für den Export ist fehleranfällig und führt bei komplexen Projekten zu Verzögerungen.“
Der Wegfall dieses fehleranfälligen Zwischenschritts ist die Voraussetzung für eine signifikante Verkürzung der Time-to-Market.
Takeaway 2: Python als Geheimwaffe der Elektrokonstruktion
Um die Brücke zwischen klassischem Engineering und moderner IT zu schlagen, setzen wir auf ein modulares Python-Tool. Anders als starre Standardsoftware nutzt diese Lösung die Mächtigkeit spezialisierter Bibliotheken: Pandas und OpenPyXL übernehmen die Strukturierung der Datensätze in leicht menschenlesbarer Form.
Das Tool extrahiert Rohdaten direkt aus DXF-Anlagenlayouts und bietet weit mehr als einen reinen Datenexport:
- Intelligente Klassifizierung: Die Software identifiziert selbstständig Ein- und Ausgänge der Anlage.
- Automatisierte Datenanreicherung: Fehlende Informationen, wie etwa die Anschlussnummern 0-7, werden vom Skript regelbasiert ergänzt.
- Keine „Black Box“: Da das Tool modular und flexibel konfigurierbar ist, lassen sich firmenspezifische Formate und individuelle Namenskonventionen jederzeit abbilden. Einfach in der Textdatei oder Config eintragen, fertig.
Takeaway 3: Intelligente Fehlererkennung als „Automated Quality Gate“
Eine automatisierte Konvertierung ist nur dann wertvoll, wenn sie gleichzeitig die Qualität sichert. Das BMK-Tool fungiert daher als integriertes Automated Quality Gate, das Unstimmigkeiten erkennt, bevor sie die SPS-Programmierung oder den Schaltschrankbau erreichen.
Das System identifiziert und dokumentiert automatisch:
- Duplikate: Mehrfach vergebene Kennzeichnungen für unterschiedliche Bauteile.
- Layout-Inkonsistenzen: Zu lange Kabelwege oder fehlende Anbindungen an Unterverteiler.
- Vollständigkeitsmängel: Fehlerhafte Einträge oder fehlende Anschlussdaten.
Ein entscheidender prozesstechnischer Vorteil: Alle Fehler werden in separaten Excel-Blättern protokolliert. Dies ermöglicht ein hocheffizientes Fehlerhandling bereits im frühesten Planungsstadium und senkt die Cost of Quality massiv.
Takeaway 4: Die „Single Source of Truth“ für SPS und E-CAD
Durch die Automatisierung wird das DXF-Anlagenlayout zur einzigen maßgeblichen Datenquelle (Single Source of Truth). Das Tool eliminiert manuelle Redundanzen, indem es aus einem einzigen Datensatz alle erforderlichen Zielformate generiert:
- SPS-Programmierung: Nahtlose Erstellung von PLC Tags und Constants für das Siemens TIA Portal. Manuelle Tippfehler in der Variablenliste gehören damit der Vergangenheit an.
- E-CAD (WSCAD): Speziell formatierte Exporte, wahlweise mit oder ohne detaillierte Bezugsinformationen.
- Dokumentation: Automatisierte Erstellung von EA-Übersichten für die Projektdokumentation.
Dieser strategische Ansatz stellt sicher, dass alle Fachabteilungen – von der Konstruktion über die Programmierung bis zur Wartung – mit identischen, validierten Daten arbeiten.
Fazit: Effizienz ist kein Zufall, sondern eine Entscheidung
Die Automatisierung der Betriebsmittelkennzeichnung ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Digitalisierung von Teilprozessen die gesamte Wertschöpfungskette optimiert. Die Ergebnisse sind messbar: signifikante Zeitersparnis, eine drastisch reduzierte Fehlerquote und konsistente Daten für alle Folgeprozesse.
Effizienz in der Elektroplanung ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis der Entscheidung, unzuverlässige Insellösungen durch intelligente, skriptbasierte Workflows zu ersetzen. Wer heute in die Automatisierung dieser Schnittstellen investiert, sichert sich den entscheidenden Wettbewerbsvorteil durch kürzere Projektlaufzeiten.
Wie viel Zeit verliert Ihr Team aktuell noch durch Aufgaben, die eigentlich ein Skript erledigen sollte?